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Geschichte


Die Geschichte der Trachtenkapelle Nordrach
Von 1872 bis heute


Den Anfängen auf der Spur

Die Trachtenkapelle Nordrach, welche 1997 ihr 125-jähriges Bestehen feiern konnte, hat seit ihrer im Jahre 1872 erfolgten Gründung, wie im allgemeinen Lebens- und Zeitverlauf, eine schöne und auch bewegte Vergangenheit mit Höhen und Tiefen in ihrer Chronik aufzuweisen.
Nach mündlichen Überlieferungen dörflicher und heimatgeschichtlicher Art, erfolgte wohl im Jahre 1872 die Gründung unserer Musikkapelle. Es war zu dieser Zeit ein schönes Brauchtum, dass in so manch einer Familie die musikalische Begabung ausgelebt und im familiären Rahmen miteinander musiziert wurde. So wurde sicherlich der musikalische Grundstein für die Nachkommen gelegt, sich mit der Musik und dem Musizieren anzufreunden.
Schon wenn wir den heimatgeschichtlichen Erzählungen unseres Volksschriftstellers Heinrich Hansjakob näher kommen, so finden wir in dessen Erzählung vom „Vogt auf Mühlstein“, dass schon damals bei der „Nordracher Kilwi“ im Jahr 1784 die „Nordracher Musikanten“ zum Tanz aufspielten.

1872
Die musikfreudigen „kleinen Meister“ waren bekannt durch ihre musikalischen Darbietungen bei „Gildeabenden“, die nach gelungener Flößerei-Talfahrt auf der Kinzig, letztmals 1868, stattfanden. Es wurde zur musikalischen Umrahmung der Festivitäten gespielt, die nach gut gelungenen „Bränden des Glasofens“ in der „Moos“ stattfanden. Doch auch weit über die Grenzen Nordrachs waren die Musiker bekannt, da sie zur Erheiterung der kurenden Gäste in den Gemeinden Griesbach und Bad Peterstal aufspielten. Die Idee, diese Musiker zu einer festen Musikertruppe, einer „richtigen Dorfmusik“ zusammen zu schließen, hatte zu diesem Zeitpunkt bereit Benjamin Spitzmüller, der seinen Wunsch 1872 in die Tat umsetzte. Benjamin Spitzmüllers Aufruf an die Talbevölkerung fand rege Resonanz. Schon beim ersten Zusammentreffen der Musikfreunde, wurde der Gründungstag der heutigen Trachtenkapelle Nordrach von 17 Musikern besiegelt. Benjamin Spitzmüller selbst nahm bei einem bekannten Offenburger Musiklehrer Unterricht, wonach die Kapelle unter seiner Leitung eine Blütezeit erlebte.
Im weiteren Verlauf der folgenden Jahre kamen immer mehr Freunde der Blasmusik hinzu, was sicher auch mit der allgemeinen Entwicklung des Fremdenverkehrs zu tun hatte. Diese Entwicklung stellte auch immer höhere Ansprüche an die Musiker nicht nur in musikalischer Sicht. Die ansteigenden Lebensjahre der Musiker brachten so manch einen dörflichen Auftritt zum Wanken. Zur Ehre der Musiker muss hier jedoch angeführt werden, dass sie für ihre musikalische Mitwirkung bei kirchlichen und weltlichen Anlässen eine jährliche Vergütung von 10 Mark je Musiker von der Gemeindeverwaltung erhielten. Nachdem ein Antrag auf Erhöhung des Musikerlohns abgelehnt wurde, sank die Begeisterung und Liebe zur Volksmusik auf den Nullpunkt.

1903
Unter diesen Umständen, die einen weiteren Fortbestand der Musikkapelle in Frage stellten, da ebenso junge Kräfte fehlten, wurde der Volksschullehrer Heinrich Blattmann beauftragt nach neuen Talenten Ausschau zu halten. Dieser suchte musikinteressierte Schüler aus, um mit diesen einen Neuanfang mit einer „neuen Kapelle“ unter den skeptischen Augen der „alten Kapelle“ zu starten. Doch beim ersten Zusammentreffen der „Jugend“ zeigte sich schon die musikalische Überlegenheit gegenüber den „Alten“.

1904
Pfingsten 1904 stand die Grundsteinlegung der Pfarrkirche bevor, und so ließ es sich keine der zwei Kapellen nehmen, zu diesem Anlass aufzuspielen. Es spielten die „Alten“ und die „Jungen“ Musiker und so schrieb der damalige humoristisch veranlagte Dorfschmied Hügele auf ein Transparent, welches er an seinem Haus anbrachte:
„Willkommen“ liebe Gäste, in unserem schönen Tal, wo´s lieblich ist – und so musikal!
Im weiteren geschichtlichen Verlauf ist zu vermerken, dass die „Alten“ das musizieren immer mehr den „Jungen“ überließen.

1914
Im August 1914 brach dann der erste Weltkrieg aus und die Musikerkammeraden, auch aus der alten Garde wurden zum Kriegsdienst abberufen. Viele von ihnen mussten hierbei ihr Leben lassen.

1918
Silvester 1918, im Gasthaus Adler entstand die neue Musikkapelle, bestehend aus „alten und jungen“ Musikern. Wilhelm Benz leitete die Kapelle bis ein Jahr später Wilhelm Gießler aus der Gefangenschaft zurückkommend den Dirigentenstab übernahm. Die folgenden Jahre brachten harte Zeiten für die Kapelle auf Grund der finanziell und wirtschaftlich schlechten Situation.

1934
Doch 1934 ertönte, ohne ersichtlichen Anlass, im Dorf Marschmusik. Zwei junge Männer zogen, einen mit alten Musikinstrumenten beladenen Handkarren, durch Nordrach. Über ihrem Wagen hatten sie ein Plakat angebracht mit der Aufschrift:
„Die Musik macht heut´ ihren letzten Gang, sie spielte so manche Stunde lang.
Nun hat sie endlich ihre Ruh, schlafe nun wohl, o Musik du.“

1938
Doch 1938 erfuhr die Kapelle u.a. durch das Mitwirken der Gemeindeverwaltung wieder neuen Aufschwung. Als Zeichen hierfür erhielten die Musiker ihre erste Uniform, die nicht nur bei den Musikern, sondern auch bei der Dorfgemeinschaft positive Anerkennung fand. Durch dieses neue Aussehen zog die Kapelle plötzlich auch wieder junge Leute an und so konnte kurze Zeit später eine stattliche Zahl an „Jungmusikern“ vorgestellt werden.

1939
Doch wieder schlugen 1939 die politischen Wirren in der Kapelle zu. Der Krieg forderte das Leben von 10 Musikkameraden.

1946
Erschwerlicher Wiederbeginn nach dem Krieg. Langsam steigt wieder das Interesse für das Musizieren und so finden sich 20 Musiker in der Kapelle zusammen.

1957
Heinz Kopitz aus Offenburg wird neuer Dirigent und führt unter strenger musikalischer Leitung die Kapelle.

1959
Da in Nordrach immer mehr Fremde verweilen, bittet die Kapelle die Gemeinde um den Bau eines Musikpavillons für die Aufführungen im Kurpark.

1963
Die Musikkapelle feiert ihr 90-järiges Bestehen unter der Leitung von Musikdirektor Heinz Kopitz. Ab sofort finden regelmäßig Kur- und Kirchenkonzerte statt.

1967
Gründungsjahr einer Jugendkapelle durch Paul Spitzmüller, der damit einen lang gehegten Wunsch in die Tat umsetzte und auch die gesamte Ausbildung des Nachwuchs leitete. Zwei Jahre später beteiligt sich die Jugendkapelle am Verbandsjugendtag.

1971
Neuer Dirigent der Musikkapelle Nordrach wird Paul Spitzmüller, der sich durch seine intensive Jugendarbeit ein solides Fundament in der Kapelle geschaffen hatte.

1972
Die Musikkapelle Nordrach feiert ihr 100-jähriges Gründungsfest, verbunden mit dem Verbandsmusikfest unter der Leitung von Paul Spitzmüller. Musikalischer Höhepunkt dieses Festes ist der Auftritt von „Slavko Avsenik und seinen Original Oberkrainern“. Die Kapelle zählt 34 Aktive.

1975
Die Musikkapelle Nordrach umfasst 49 aktive Musiker. Verleihung der Pro-Musica-Plakette im Juni 1975: „Der Musikkapelle Nordrach wird durch den Bundespräsidenten, als Auszeichnung für die im langjährigem Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege des instrumentalen Musizierens und damit um die Förderung des kulturellen Lebens, die Pro-Musica-Plakette verliehen.“

1977
Die Kapelle erhält eine neue Uniform, die Trachtenuniform, die bis in die heutigen Tage getragen wird. Daraufhin wird die Musikkapelle Nordrach in „Trachtenkapelle Nordrach“ umbenannt.

1980
Neuer Dirigent der Trachtenkapelle Nordrach wird Musikdirektor Ludwig Junkert aus Zell a.H. Ein Jahr später verstirbt der ehemalige Dirigent Paul Spitzmüller.

1989
Die Anzahl der Jungmusiker in der Kapelle überschreitet die der „älteren“ aktiven Musiker. Die Kapelle besteht aus 22 Musikern und 27 Jungmusikern.

1994
Ludwig Junkert beendet seine Dirigentenzeit in Nordrach.

1995
Ulli Brehm wird neuer Dirigent der Trachtenkapelle, die aus 38 Aktiven und 10 Jugendlichen in Ausbildung besteht.

1996
Erstmals in der Vereinsgeschichte absolvieren 9 Jungmusiker das Leistungsabzeichen in Bronze.

1997
Die Trachtenkapelle feiert ihr 125-jähriges Gründungsjubiläum verbunden mit dem Verbandsmusikfest des Musikverbandes Kinzigtal vom 4. bis 7. Juli 1997. Schirmherr ist Dr. Wolfgang Schäuble MdB. Das Jubiläum beginnt mit einem Festbankett im Feuerwehrgerätehaus am 20. Juni. Ein Rockschwoof im großen Festzelt hinter der Hansjakob-Halle mit den Scabies und Miller´s Blues Orchestra eröffnet am Freitag das Festwochenende. Der Höhepunkt ist Tags darauf ein Galaabend der Volksmusik sowie der große Festumzug am Sonntag. Die 37 mitwirkenden Gruppen und Kapellen marschieren vom Huberhof Richtung Festzelt. Allen Beteiligten in bester Erinnerung bleibt ein heftiger Gewitterschauer während des Umzugs. Die Kapelle hat 40 aktive Musiker und 6 Zöglinge in Ausbildung.


2004
Neuer Dirigent der Trachtenkapelle Nordrach wird Gunther Udri.

2005
Nach einem turbulenten Jahresende 2004 findet die Trachtenkapelle Nordrach mit Roland Weygold aus Ortenberg einen neuen Dirigenten. Die daraufhin forcierte Jugendarbeit fruchtet sehr schnell, die für die Ausbildung zur Verfügung stehenden Instrumente gehen sogar aus, so dass die Kapelle bei der Gemeinde Nordrach einen größeren Zuschuss für Instrumente bewilligt bekommt. Neben den 36 Aktiven befinden sich bis zu 50 Jugendliche in Ausbildung. Diese haben als „Bläserkids“ und ein Jahr später als „Jugendkapelle“ erste erfolgreiche Auftritte. Erstmals legen einige Jungmusiker auch das silberne Leistungsabzeichen ab.

2010
Nachdem im Jahr zuvor das Jahreskonzert abgesagt wurde konnte die Kapelle mit dem Frühjahrskonzert 2010 die erfolgreiche Verstärkung mit den Nachwuchsmusikern präsentieren.



05.07.2013
Die Mitglieder der ehemaligen Gemeindeinstitution Trachtenkapelle Nordrach gründen einen Verein.
Nach einer langen Vorbereitungsphase, in der eine Satzung und eine Jugendordnung erarbeitet und mit der Gemeinde über den formellen Übergang und die finanzielle Unterstützung verhandelt wurde, war es dann soweit. In einer Mitgliederversammlung wurde der Verein mit dem Ziel einer gemeinnützigen Anerkennung gegründet.

28.03.2015
Beim Jahreskonzert wird Dirigent Roland Weygold für seine 10-jährige Dirigententätigkeit geehrt.



















24.03.2018
Ehrung beim Jahreskonzert durch den Vizepräsidenten des Blasmusikverbandes Kinzigtal, Jürgen Isenmann.
Im Herbst 2017 absolviert, erstmals in der Vereinsgeschichte, mit Lara Hübel eine gerade mal 16-jährige Jungmusikerin das Leistungsabzeichen in Gold – und das mit Auszeichnung!
Auszug aus der Blasmusik Zeitschrift vom Dezember 2017:
„Von Jahr zu Jahr besser … 68 mal Gold beim Herbstkurs:
Ganze vier Mal wurde hier die Maximalpunktzahl erreicht. Dieses Kunststück gelang zwei Klarinettisten, einem Tenorhornisten und Lara Hübel am Es-Alt Saxophon.“

















Die Dirigenten von 1872 bis heute:

Spitzmüller Benjamin, Nordrach
Blattmann Heinrich, Nordrach
Dreher Alfred, Zell a.H.
Benz Wilhelm, Nordrach
Braun Wilhelm, Unterharmersbach
Bergholz August, Nordrach
Schmezer Albert, Nordrach
Lang Josef, Nordrach
Dreher Alfred, Zell a.H.
Kopitz Heinz, Offenburg
Spitzmüller Paul, Nordrach
Junkert Ludwig, Zell a.H.
Brehm Ulli, Nordrach
Udri Gunther,
Weygold Roland, Ortenberg